Hermi hatte es ja schon angedroht. Dann will ich mal nicht so sein und einen kurzen Abriss unserer dreiwöchigen Reise zum Besten geben.

Unser Startpunkt Toronto hat uns positiv überrascht. Für eine Großstadt fanden wir diesen Ort sehr angenehm. Natürlich hat man immer Geräuschkulisse, aber insgesamt ging es doch wenig hektisch und aufgeregt zu. Unser Hotel lag perfekt zentral, so dass wir alles gut erreichen konnten. Wir hatten Glück, dass wir im Rogers Center auch noch ein Baseballspiel der Toronto Blue Jays gegen die Boston Red Sox live erleben konnten. Das ist insofern auch bemerkenswert, als dass ich 1993 in Boston (auf unserer Rundreise durch USA) die Red Sox schon mal live gesehen habe (damals gegen die Milwaukee Brewers; der Lange war dabei, zusammen mit „Karstadt“ und einem Vierten, den ihr nicht kennt). Man sieht sich also tatsächlich zwei Mal im Leben.

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Die Niagara-Fälle gehören sicherlich zu den Highlights der Reise. Dies ist der einzige Ort Kanadas, den ich jetzt schon zum zweiten Mal besucht habe. Auf der bereits erwähnten Rundreise 1993 haben wir die Fälle auf amerikanischer Seite besichtigt und sind damals kurz über die Grenze, um uns einen kanadischen Stempel für den Reisepass zu holen und den so genannten „Whirlpool“ zu sehen. Damals hatten wir keine Zeit (und als Studenten hauptsächlich auch nicht das nötige Geld), um die Tour mit der Maid-of-the-Mist zum Fuß der Horse-Shoe Falls zu machen. Das war natürlich diesmal Pflicht. Und es war feucht. Nicht nur in den Augen.

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Erstaunlich fanden wir, dass man bereits ca. 50 km außerhalb von Toronto wenig Zivilisation , dafür herrliche Landschaft vorfindet. Noch etwas weiter an der Geogian Bay haben wir auf einem mitten im Wald liegenden Campingplatz, der schätzungsweise so groß wie die Dresdner Heide ist, unser Zelt aufgeschlagen. Zum Duschen musste man wegen der großen Entfernungen mit dem Auto fahren. Ich muss immer noch dran denken, dass es in dem Wald finster wie im Bärenarsch war, nachdem das Lagerfeuer erloschen ist. Als ich vor dem Schlafengehen noch mal zum Pinkeln draußen war und mich umdrehte, um ins Zelt zurückzukehren, bin ich glatt gegen einen Baum gelaufen, an deren Existenz ich mich in dem Moment nicht mehr erinnert hatte. Der Aufprall hallt wahrscheinlich jetzt noch durch die Zweige. Einmal mussten wir umziehen, weil wir zu spät verlängert hatten und der Platz bereits neu vergeben war.

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Den Inbegriff kanadischer Natur haben wir im Algonquin N.P. gefunden. Wandern, Kanufahren und Sonnen/Baden standen auf der Tagesordnung. Das Wetter war perfekt, das Wasser im See klar und warm, so dass wir sogar noch länger als geplant geblieben sind. In den vier Tagen konnten wir den Unterschied zwischen Ferienzeit und Danach deutlicher kaum spüren. Bei der Ankunft hatten wir noch Schwierigkeiten, überhaupt einen Stellplatz für unser Zelt zu bekommen und am Schluss waren wir fast alleine. Es war eine Zeit voller Lagerfeuerromantik und die endgültige Bestätigung, dass sich das Mitschleppen einer zusätzlichen Tasche mit den ganzen Campingutensilien mehr als gelohnt hat.

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In Ottawa haben wir mal so richtig Kamikaze-Tourismus gemacht: 16 Uhr angekommen, bis 17 Uhr Unterkunft gefunden und bezogen, bis 19 Uhr Dostoprimetschatjelnosti abgelaufen, bis 21 Uhr Essen, dann noch eine Lichtershow am Regierungsgebäude über Kanadas Geschichte und danach ab in die Falle. Und das war nicht mal Stress. Viel mehr war in der Hauptstadt echt nicht zu tun, verglichen mit den drei anderen Städten.

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Quebec dürfte euch vielleicht noch bekannt sein als der Ort, an dem Hermi seiner Angebeteten das Ja-Wort abgerungen hat. Und mich wundert es nicht, dass er es dort geschafft hat. Quebec war wohl die schönste Stadt, die wir gesehen haben auf dem Trip. Es ist natürlich touristisch (wie an allen schönen Orten auf der Welt), aber es hat Spaß gemacht, durch die verwinkelte Altstadt zu laufen und immer wieder einen neuen Blickwinkel auf das alles überragende Chateau Frontenac zu haben.

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Wenn es auch mit viel Fahrt verbunden war, waren wir am Ende doch froh, die Weiterreise an den Fjord Savegnoy (oder so ähnlich) auf uns genommen zu haben, mit dem einzigen Ziel, Wale aus der Nähe zu beobachten. Wir stiegen also mit ca. 12 anderen Personen auf ein Zodiac und ab ging die Post auf dem St. Laurent Strom. Das Foto sagt hoffentlich mehr als Worte.

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Die verbleibenden zwei Puffertage haben wir schon ganz in der Nähe von Montreal verbracht. Nördlich der Stadt liegen die Laurentides, ein von dichtem Wald überzogenes hügeliges Gelände, das im Winter als Skigebiet herhalten muss. Neben unseren eher besinnlichen Ausflügen gab es auch ein ungewöhnliches Schmankerl: im Motel hatten wir ein Zimmer, in dem sich auch gleich ein Whirlpool mit befand. Direkt neben dem Bett.

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Wenn man mal 5-Sterne übernachten will und das auch noch kostenlos inklusive Stadtführung, dann sollte man die Gelegenheit wahr nehmen und Dagmara und Hermi einen Besuch im Penthouse über den Dächern von Montreal abstatten. Wenn man schon mitten in Downtown wohnt, dann kann es viel besser nicht sein. Selbst das Toilettenhäuschen auf der Baustelle gegenüber verschandelt inzwischen nicht mehr die Sicht. An dieser Stelle noch mal vielen Dank an die beiden für die drei Tage All-Inklusive. Im Land Quebec konnte ich mein viel gerühmtes Französisch etwas praktizieren, was bei Abgabe unseres Mietwagens in der Frage gipfelte: „Donde es Office de `ertz?“. Und für die, die noch weniger Ahnung haben, es hätte heißen müssen: „Ou est-ce que le bureau d’ `ertz?“ Das Bild ist von voriger Woche!

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So, vielleicht habt ihr ja Lust bekommen auf mehr. In diesem Sinne: Ahorn … äh … Ahoi!

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Eine Antwort »

  1. herminator sagt:

    ich hab noch gar nich mitgekriegt, dass die im stadion echt (immer noch) ne DDR (und SU) fahne installiert haben ! das is ja man wohl krass
    ein wirklich sehr schoener bericht – und für uns motivierend, häufiger mal über die stadttellerandgrenzen hinauszukieken und das umland unsicher zu machen (hab für das kommende WE schon gleich mal einen fahrbaren untersatz reserviert – weil, ohne auto geht hier nich viel …

    das Ralph – ausgewiesernermassen DER französich-experte unter allen leberwurstbroten – bei der autoabgabe mit so einer art spanisch versucht hat weiterzukommen – kann ich bezeugen – ich hab jetzt noch das verdutze gesicht des befragten vor augen … (der hat wahrscheinlich einfach noch nicht erlebt, im französischsprachigen montreal von einem touristen in so einer art spanisch mit deutschem akzent angesprochen zu werden … ) 😉

    danke fuer die 5 sterne – more guests are always welcome.
    /h.

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